Motorradtour 2016 – Picos de Europa und Pyrenäen –

Pico de Europa – mein Ziel für die Motorradtour 2016, die am 19.06.2016 beginnen soll. Durch Frankreich führt mich der Weg bis Biarritz am Atlantik und dann weiter über die Ausläufer der Pyrenäen bis zum Picos de Europa.

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Die Tour

Norbert alleine unterwegs – ein ganz neuer Gedanke – aber nicht ganz fremd – aber nun doch plötzlich wahr.

Mein designierter Mitfahrer Norbert – neuerdings mit der neuen Africa Twin unterwegs, hatte für seine diesjährige Tour andere Prioritäten gesetzt. Meine Planung stand aber und ich freute mich schon riesig auf den Picos de Europa und was sonst noch alles so auf meinen Routen lag.

Entgegen der letzten Jahre packe ich meine sieben Sachen diesmal in die originalen Packkisten meiner GS anstelle der wasserdichten Ortliebtasche am Heck. Diebstahlschutz ist das Argument, was mich zu dieser Planänderung veranlasste. Wie immer bedeutet mehr Platz auch mehr Gepäck (was ich im Endeffekt nur zu einem Drittel wirklich verbrauchte).

19.06.2016   Welz – Chambon sur Lac (876 km)

Um sieben Uhr sitze ich auf dem Motorrad, starte die die Route Tag1 in mein Tripy (Navi) und starte auch mein Magellan-Navi als elektronische Karte. Oh schreck! – die Ladeanzeige aus dem Bordnetz ist grün – das heißt es wird nicht geladen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon den ersten Kilometer gefahren. Schnell zurück und das ErsatzNavi auf die Halterung gesteckt und mit der Onboardstromversorgung verbunden – leider wieder nichts! Vielleicht kann ich das Problem ja unterwegs lösen. (Anmerkung: Leider habe ich in diesem Moment nicht daran gedacht das Ladekabel für die Bordsteckdose einzupacken) Und so geht es nach kurzer Anfahrt auf die Dosenbahn Richtung Aachen und dann weiter durch Belgien an Namur vorbei nach Frankreich. Meine teils aus Landstrasse, Route National und Autobahn bestehende Route mit möglichst geringen Mautanteil sollte mich 870 km näher in den Süden bringen. In Chambon sur Lac (Region Auvergne-Rhône-Alpes) südlich von Clermount Ferrand.) hatte ich ein kleines Zimmer direkt am See gebucht. Gleich hinter Aachen, in den Ardennen, verdunkelt sich der Himmel und öffnet alle seine Schleusen. Bis zur Grenze nach Frankreich regnet es mehr oder weniger kräftig. So kenne ich meinen Tourenauftakt – deshalb habe ich es schon lange aufgeben mit einem frisch gesäuberten Motorrad in Urlaub zu fahren. Meistens folgt dann eine Schönwettertour. Ich habe bewusst den Samstag und Sonntag als Anreise durch Frankreich gewählt; dann sind die Straßen, in Frankreich sowieso nicht stark frequentiert, noch etwas leerer und der Verkehr vollkommend entspannt. Ich komme gut voran und bin voller Vorfreude. In den Pausen fehlt mir jedoch etwas der Austausch mit dem Mitfahrer – aber das wird schon. Ich genieße auch die absolute Unabhängigkeit. Da ich mein Navi für die Kartendarstellung nicht mehr benutzen kann, Akku leer und onboard laden nicht reparabel, bringt mich die Strassenführung ein-, zweimal in Schwierigkeiten. Mein Tripy ist zwar für die Routenplanung und das Fahren nach Roadbook (und da kommt es nun mal her) super geeignet – aber bei mehreren Autobahnspuren, die fast parallel abzweigen bzw. weiter verlaufen, zuweilen überfordert. Aber wie sagt man im Rheinland „ Et hätt noch immer jot jejange“, habe ich immer wieder den rechten Weg gefunden. Irgendwann am späten Nachmittag erreiche ich ohne weiteren Regen mein Ziel – . . . . Ruhe .

Als ich mich an der Rezeption des Hotels nach meinem gebuchten Zimmer erkundige und im Smalltalk – und das ist bei meinen französisch wörtlich zu nehmen – mein woher und wohin erkläre, bekomme ich wegen meiner Größe ein Zimmer-Upgrade in die Familiensuit ohne Mehrkosten. Flux breite ich mich in der Suite und suche eine geeignete Lokalität für das Abendessen. Ich habe unterwegs versäumt etwas zu essen und dementsprechend hungrig bin ich. Pizza steht auf dem Programm – und die ist gut – aber etwas zu mächtig mit Schinken aus der Region und mit dem Fett aus reichlich Käse vollgesogenen Bratkartoffeln. Eine interessante Erfahrung ist für mich; als Alleinreisender bleibt man nicht lange alleine. Ich habe an diesem Abend noch eine nette Unterhaltung mit den französischen Tischnachbarn – in Englisch . Eine Verdauungsrunde am Seeufer schließt den Abend ab bevor ich mich gegen 22 Uhr schlafen lege und die letzten Stunden noch einmal an mir vorbei rauschen.

Übernachtung: Hotel Bellevue

Tag 2 Chambon sur Lac – Biarritz ( 660 km)

Ab 8 Uhr gibt es Frühstück und ich bin auch schon reisefertig. Heute liegt eine lange Etappe auf kleinen und kleinsten Strassen durch die Auvergne und Dorgogne entlang der Dore und Aquataine bis Biarritz am Atlantik vor mir. Im Hotel halten sie mich verrückt als ich von meiner Route, möglichst ohne Autobahn erzähle – mag ja sein – ist schon sehr ambitioniert das Vorhaben. Durch das dem Sonntag geschuldete späte Frühstück komme ich auch erst entsprechend spät los. In der Nacht hat es noch einmal geregnet und die Straßen sind feucht bis nass. Aber sonst ist das Wetter ideal zum Fahren. Über kleinste Straßen am Touristencentrum der Region,Mont Dore vorbei, durchfahre ich das ehemalig vulkanische Hügelland mit Höhenlagen bis über 1500 Meter. Nur selten begegne ich einem anderen Fahrzeug. Die Anstrengung und Verspannung des ersten Fahrtages sind wie weggeblasen. Die Fahrbahn ist mit guter Qualität auch irgendwann trocken und es läuft wunderbar bis zum ersten Tankstop. Automatentanken mit Karte ist nur möglich. Also stecke meine Mastercard in den vorgesehene Schlitz – Fehler – not accepted ! – Nehme die Eurocheckkarte – wieder das gleiche Problem. Für ca. 70 km habe noch Sprit – laut Navi erreiche ich die nächste Tanke in ca. 50 km. Da Sonntag ist, vermute ich dass dieseauch nur mit Karte funktioniert. Soll ich nun weiter fahren und einen leeren Tank riskieren. Zwei junge Franzosen nähern sich der Tankstelle mit ihrem Auto und tanken. Nachdem sie fertig sind spreche ich sie mit englischfranzösisch an und bitte sie auf ihre Karte für mich, gegen Bares, zu tanken. Es dauert einen Moment bis sie mein Ansinnen verstehen haben – dann kann ich endlich für 20 Euro meinen Tank befüllen. Visa wäre die richtige Antwort auf die Frage des Tankautomaten gewesen. Eine solche hatte ich jedoch nicht mit. Nach diesem Schrecken kann ich wieder ein Stück weiter fahren. Es folgen grandiose Landschaften, geheimnisvolle Schlösser und was man sich als Motorradfahrer wünscht – Kurven, Kurven . . . und verkehrsarme Straßen. Sicherlich könnte man in der Auverne oder aber auch in der Dorgogne Wochen verbringen – aber meine Ziele sind weiter südlich. Langsam läuft mir die Zeit davon da ich um 20.00 Uhr bereits gebuchte Hotel erreichen wollte. Ich nehme die nächste Auffahrt zur Autobahn Richtung Bayonne/Biarritz und erreiche nach einer Stunde Autobahn und insgesamt zwölf Stunden mein Ziel. Leider ist die Hotelbar/Bistro schon geschlossen – Essen gibt es auch nicht mehr. Den bereits späten Abend lasse ich in meinem Hotel-Zimmer bei einem ½ l Bier und Salzgebäck, gespendet von der netten Dame an der Reception sowie einen Rest Käse ausklingen.

Übernachtung: Relais Fast Hotel

Tag 3. Biarritz – Espelette – Aoiz (275 km)

Ab sieben Uhr gibt es bereits Frühstück und ich bin dabei. Für französische Verhältnisse ganz gut und preiswert. Schnell habe ich mein Motorrad wieder beladen und fahre in die City von Biarritz und folge den Schildern zum Strand den ich auch nach einigen Haken erreiche. Es herrscht Traumwetter und die Standpromenade empfängt mich mit dem Leuchten der Südsee (Atlantik). Ich parke das Moped an geeigneter Stelle und suche mir ein Plätzchen in der nahen Standbar in der ich erst einmal einen Cafe genieße. Nur schwer trenne ich mich wieder von diesem Platz aber ich möchte mir noch, wie in der Sendung des „WDR2 Wunderschön“ empfohlenen Besuch der Markthalle von Biarritz gönnen. Nach ein paar Fotos begebe ich mich mit dem Motorrad auf die Suche und erreiche im Gewirr der Einbahnstraßen endlich die Halle. An einem großen Käsestand möchte ich mir einen besonderen Käse gönnen. Leider ist die Theke nur mit einer Bedienung besetzt und es warten bereits 20 potentielle Käufer und ich bin der 21-igste. Das wird wohl nichts mit dem Käse. Also fahre ich weiter Richtung Pyrenäen um aber zuvor noch die Stadt der Piment-Veredelung, Espelette anzusehen (Tip aus der Sendung Wunderschön). Interessant die die typisch baskischen Häuser mit den roten Dächern und besonders die geflochtenen Paprika an den Hauswänden. Ansonsten gibt es ein reichhaltiges Angebot für den Touristen an Nahrungs- und Genussmitteln rund um das Paprikapulver, genannt Piment.

Von Espelette fahre ich weiter in die westlichen Ausläufer der Pyrenäen, die mich im leuchtenden grün umfangen. Leider auch ein Zeichen von viel Regen, aber ich habe das schönste Wetter. Mein Ziel, ein kleines aber feines Landhotel erreiche ich am frühen Nachmittag. Ich befind mich bereits in Spanien in den südlichen Ausläufern der Pyrenäen nicht weit von Pamplona. Nach Bezug meines geräumigen Zimmers unternehme nehme ich mir noch die Zeit zu einem Besuch der Klosteranlage Roncesvalles. Hier führt die erste Etappe des traditionellen Jacobsweg vorbei. Ein kleiner Abstecher zum Ibanetapass mit kleiner Offroad-Passage krönt diesen Besuch noch. Auf kurvenreicher, „verkehrsberuhigter“ Strecke geht es zurück zum Hotel, wo ich mit einigen Motorradfahrern aus GB einen netten Abend bei gutem Essen, Wein und Fußball (EM) verbringe.

Übernachtung:Hotel Ekai (Ecay)

Tag 4   Aoiz – Soto de Cangas (Picos de Europa) 479 km

Heute gibt es erst um 08:00 Uhr zum Frühstück – und ich kann nicht ohne. Zuvor habe ich bereits alles gepackt und das Motorrad beladen. Durch weites Agrarland fahre ich Richtung Pamplona um nach der westlichen Stadtumgehung auf mautfreien Autobahnen und Nationalstraßen vorbei an Bilbao und Santander die Schnellstraßen in Panes zu verlassen. Die Nationalstraße wird von vielen LKW’s genutzt die teils mit 110 km unterwegs sind. Die Radarstellen werden jedoch frühzeitig durch Hinweisschilder angekündigt. Auf einer landschaftlich schönen Strecke fahre ich Richtung Cangas de Onis durch die Ausläufer des Picos de Europa aber gleichzeitig nahe dem Atlantik bis nach Soto de Cangas zu meinem Quartier, einem kleinen aber feinen Familienhotel.
Nachdem ich das Zimmer bezogen habe, fahre ich noch zur nach Covadonga, einem christlichen Pilgerort an dem im 8 Jahrhundert die spanischen Christen die Muslime besiegten. Als sehenswerte gilt die Basilika und die Grotte mit einer kleinen Kapelle. Der kurvenreichen Straße in die Berge folgend, erreicht man auf rund tausend Meter den Enol-See mit endlosen grünen Wiesen. Auf der Straße laufen Kühe, Pferde und Schafe die hier ein saftiges Revier antreffen. Der Aussichtspunkt Mirador de la Reina bietet einen fantastischen und unbeschreiblichen Panoramablick bis zum Atlantik. Auf knapp 1200 Meter befindet sich der Ercina See mit seinem weitläufigen Wandergebiet und einen unbeschreiblichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel des Picos de Europa. Zum Glück befinde ich mich nicht in der Hauptreisezeit. Beim Anblick der Park-Infrastruktur kann ich mir ein gewaltiges Gewusel in der Ferienzeit vorstellen. An diesem Nachmittag ist es aber vollkommend entspannt und ich genieße die Aussicht und Bergluft – ich habe mein großes Ziel dieser Motorradtour erreicht. Am Abend gehen ich auf Empfehlung des Hotels in eine kleine Tappasbar und lasse mich dort mit Asturischer Küche verwöhnen.

Unterkunft: Hotel la Balsa (Soto de Cangas)

Tag 5   Rundfahrt um den Picos de Europa (326 km)

Frische Kuchen und Rührei zum Frühstück – das ist doch mal eine Ansage. Zum Brot gibt es hauseigenen Honig und auch sonst alles, was das Frühstück so lecker macht. Frisch gestärkt und befreit vom Gepäck beginne ich meine Tour um den Picos gegen den Uhrzeiger. Anfangs ist es noch kühl doch je weiter ich auf der schmalen, kurvenreichen N 625 Richtung Osten vorankomme so wärmer wird der Wind aus dem Landesinneren. Ich bin fast alleine unterwegs und genieße jede Sekunde. Mein Navi leitet mich problemlos auf die LE-2711 der ich dann auf immer schmalerer Fahrbahn bis in eine Sackgasse bis Cain de Valdeon folge. Die beeindruckende Berglandschaft, der Duft der Blumen sowie das leuchtende gelb des blühenden Ginsters erzeugen ein Gefühl von Glück , Dankbarkeit und Ehrfurcht. Eine kurze Rast in einem der Bergrestaurants am Endpunkt der Strasse lässt mich die große Mittagshitze bei einem kühlen Getränk etwas überwinden. Dann begebe ich mich wieder hinein in den Schwindel dieser Bergwelt. Fotos an markanten und bekannten Punkten runden mein Sightseeing-Programm ab. Am Nachmittag erreiche ich Potes und beschließe noch einen Abstecher zum Atlantik (Ribadesella) und der befahrbaren Tropfsteinhöhle La Cuevona bei Cuevas. Am Atlantik schickt leider schon die nahende Schlechtwetterfront ihre Vorboten voraus. Doch ein Cafe con Leche und ein Portion eingelegter Oliven an der Strandpromenade von Ribadesella lassen mich beim rauschen der atlantischen Wellen zur Ruhe kommen. Als der Sonneschirme vor dem nahenden Wind eingeklappt werden, verlasse ich Ribadesella um ein Novum, die befahrbare Tropfsteinhöhle „La Cuevona“ bei Cuevas zu durchfahren. Niemand stört mich als ich die Höhle im Schritttempo in beide Richtungen durchfahre. Auf kleinsten, kurvigen Straßen fahre ich zurück zum Hotel nach Soto de Cangas. Nach dem Wetterwechsel und der schlechten Vorhersage für den nächsten Tag beschließe ich das Kapitel Picos de Europa einen Tag früher zu beenden und am nächsten Tag in das von der Sonne verwöhnte Aragon zu fahren.

Tag 6   Soto de Cangas – Yesa (480 km)

Mit Nebelschwaden und warmen Nieselregen empfängt mich der Morgen. Noch einmal das leckere Frühstück genießen und dann verlasse ich Asturien wieder. 20 km von der Küste entfernt in Richtung Burgos auf der N623 scheint wieder die Sonne und es wird richtig wahr. Noch vor Burgos, was sicherlich auch sehenswert wäre, biege ich ab auf die N232 um auf leeren Straßen ins Tal des Ebro zu gelangen. Durch weite Agrarlandschaften fahre ich weiter in Richtung Pamplona um in einer ersten Idee das Hotel in Aoiz noch einmal für eine Übernachtung zu nutzen. Ein Blick auf die Karte und mein schnelles Vorankommen läßt mich zu dem Entschluss kommen, einen lang gehegten Wunsch, mit einer Übernachtung im Kloster Yesa, am Rand der Pyrenäen zu verwirklichen. Gedacht – gebucht – fahre ich nach Yesa und beziehe in ein schönes kleines Zimmer im Klosterhotels. Das Ambiente diese Klosters und die Aussicht auf den Yesa-Stausee mit seinem Hinterland sind schon beeindruckend. In der Rezeption werde ich auf eine Besonderheit des Klosterlebens in Yesa aufmerksam gemacht. Jeden Tag singen die noch anwesenden ca. 20 Mönche in ihren Messen sogenannte „Gregorianische Gesänge“. – Das möchte ich mir als Chorsänger auch mal anhören. Ich genieße des Rest des Nachmittags im Klostergarten und habe Spaß an dem Gehabe einer britischen Reisegruppe die auch im Hotel nächtigen und durch touristischen Angebote des Klosters geführt werden. Eine Angewohnheit der Spanier macht mir immer Probleme; das ist der Beginn des Abendessen. Selten gibt es etwas vor 21:00 – und bis dahin bin ich schon fast verhungert oder was dann für mich schwerer wiegt; ich kann nach einem guten Abendessen zu später Stunde schlecht schlafen. Das Abendessen in dem Klosterrestaurant wird auch erst ab 21 Uhr serviert und so habe ich die Möglichkeit die Abendmesse um 18:00 in der einfach gehaltenen, kühlen Kirche zu besuchen. Die gregorianische Gesänge auf latain oder/und spanisch sind schon sehr beeindruckend mit unter schon etwas spirituelles – ich habe die ½ Stunde sehr genossen.

Das anschießende Essen (3-Gang-Menue incl. Flasche Wein) war auch ganz nach meinem Geschmack und haben den Tag mit einer netten Unterhaltung mit dem Nachbartisch perfekt abgerundet. Die geplante Weiterfahrt zum Camping Isabena muß ich um einen Tag verschieben, da alle Bungalos aufgrund einer Veranstaltung belegt sind. Also verlängere ich das Kloster um einen Tag – den ich nicht bereuen werde. Beim abendlichen Sortieren der Fotoausrüstung fällt mir auf, dass die Tasche für meine Ghost-Aktion-Cam nicht mehr auffindbar ist. Leider waren in der Box noch eine Ersatz-SD-Card und 2 Ersatzakkus der Kamera sowie einige Kleinteile abgelegt. Ich durchsuche mein gesamtes Gepäck – leider nicht mehr aufzufinden. Wann und wo die Box abhanden gekommen ist – keinen blassen Schimmer habe ich.

Tag 7 Yesa – Bardenas Reales -Yesa (302 km)

Nach einem wieder perfektem Frühstück fahre ich auf kleinsten Straßen und Wegen in das Naturschutzgebiet der Bardenas Reales ein wüstenähnliches Gelände in Navarra. Charakteristisch ist der ockerfarbene Lehm mit seinen über Jahrtausende durch Wasser erodierten Sedimentschichten aus denen sich ausgetrocknete Flussbette sowie bizarren Bergformen bildeten. Das Naturschutzgebiet ist auf freigegebenen, unbefestigten Wegen befahr- und begehbar. Gleichzeitig und das klingt etwas paradox, wird eine abgesperrte Fläche als Übungsgebiet der spanischen Luftwaffe genutzt. Außer einigen wenigen Touristen und Rangern sowie ein paar Geier habe ich niemanden gesehen. Es ist schon ein sureales Erlebnis die fast 70 km (offroad) durch diese Naturlandschaft bei knapp 40 Grad Celsius in dicken Motorradklamotten zu durchfahren. Mehrere Stunden verbringe ich in dieser Landschaft wobei ich immer wieder vom Motorrad absteige um aus unterschiedlichen Perspektiven Fotos zu schießen. Irgendwann habe ich dann bemerkt dass mein Liter Wasser den Verlust in der heißen Umgebung nicht ausgleichen kann und ich mir langsam Gedanken um Nachschub machen muß. Zum Glück gibt es in einem Touristencenter des Nationparks nahe der Stadt Tudela einen Automaten mit kühlem Nass – diese Cola habe ich aufgesaugt wie ein trockener Schwamm.

Auf weiteren Umwegen und Besichtigungen der Ruinen der „Ermeta de Sant Nicolas“ und dem „Monastera de la Olivia“ fahre ich zurück nach Yesa um den Rest des Tages ein wenig zu chillen. Am Abend erreicht eine Gewitterfront mit heftigem Sturm das Kloster – aber ich sitze im Trockenen und lasse mir das feine Menu del Dia (Tagesmenue) und einen kühlen Rosé schmecken.

Übernachtung: Hotel Hospedería de Leyre

Tag 8    Yesa – Rhoda Isabena (Camping) 278 km

Das Gewitter der Nacht hat die Luft gereinigt und lässt den Yesa Stausee in einem noch klareren blau leuchten. Meine GS wurde auch von dem oberflächlichen Staub der Wüstendurchfahrt des Vortages befreit. Auf direktem Weg – die N240 in Richtung Jaca zu fahren schien mir zu langweilig – ich wähle eine Route die mehr Kurven und noch einige andere Highlights verspricht.

Es geht Richtung Lumbier und dann auf der NA178 weiter bis Burgui. Gleich hinter Lumbier blicke ich bei einem kurzen Stop in die Foz de Lumbier, einer markante Erdspalte die durch den Rio Irati gebildet wird. Wenig später folgt das nächste Highlight mit der Foz de Abayune, wieder ein tiefer Einschnitt, gebildet durch den Rio Salazar. Hier habe ich dann auch Geier beobachten können. Später folge ich dem Abzweig nach Anso und Hecho um in einem Festival der Kurven über Aisa Jaca zu erreichen. In Jaca findet in der Innenstadt gerade ein Festzug zu Ehren des Johannes statt. Die Stadt wimmelt von in traditionellen rot-weiß gekleideten Menschen. Von Jaca fahre ich auf einer schmalen Seitenstraße der N230 bis Sabinanigo und dann auf die N260 bis Ainsa und Campo und dann weiter Richtung Val Rio Isabena. Den Camping Isabena, in dem ich bereits im Jahr zuvor einige schöne Tage verbracht habe, erreiche ich am frühen Nachmittag. Auf der Restaurantterrasse warte ich noch bis Anna mir einen freien Bungalow zuweist. Hier lerne ich bereits einige Endurofahrer vom TSV Auerbach aus dem Badischen kennen. Eine tolle Truppe ! Schnell die Sachen abgesattelt und ab in den Pool. Zwei Übernachtungen habe ich eingeplant. Morgen will ich einen ganz ruhigen machen bevor der Rückweg wieder ansteht. Am Abend schauen wir uns noch gemeinsam ein Spiel der Deutschen Fußballmannschaft zur Euro an.

Tag 9    Ein Tag im Camping Isabena mit kleiner Aufahrt (188 km)

Heute möchte ich einen ganz Ruhigen machen. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse und viel Konversation, widme ich mich der Materialpflege. Mein Nachbar (Martin aus Essen) gegenüber, mit der 990 KTM und VW-Bus unterwegs, erzählt mir von seinem Vorhaben ganz in der Nähe eine markante Bergspitze anzufahren. Da sich die Tour interessant und auch nicht zu lang anhört, beschließen wir gemeinsam mit kleiner Offroad-Einlage das Ziel zu avisieren. Es wird eine schöne Tour – nur kurz war sie auch nicht – ! In der Offroad-Passage eine offizielle Querverbindungsstraße habe ich eine Menge Staub von meinem Vorwegfahrer Martin geschluckt.

Über anfangs breite, dann jedoch winzige Straßen erreichen wir den Coll d‘Ares (1586 m). Hier genießen wir die Aussicht, die leider etwas durch Dunst getrübt wird und schauen den Gleitschirmakrobaten bei ihren Starts und Flügen zu. Über kleine Straßen geht es zurück zum Camping Isabena und dort gleich in den Pool den Staub abwaschen. Kleiner Schreck nach der Rückkehr. Mein hinter Stoßdämpfer ist verölt – war aber im Frühjahr erst in der Wartung. Dann kommt doch die Entwarnung. Mein Ölreserve auf den Gepäckträger verzurrt zeigt, obwohl in Plastik zusätzlich verpackt, Inkontinenz. Den Rest des Abends verbringe ich mit Essen, Trinken, Fußball, Quatschen und Vorbereitungen für den folgenden 1. Rückreisetag.

Unterkunft: Camping Bungalowpark Isabena

Tag 10 Isabena – Clermont Herault (537 km)

Bei traumhaft schönen Wetter fahre ich in die noch kühle Morgenluft. Bald werde ich von einer Schafherde eingebremst. Der Schafhirt läuft vor mir her und bildet damit ein Schneise für mich. Die Straße ist ganz schön besch….
Ich begebe mich auf die abwechslungsreiche und verkehrsarme N260, die ich bis Bourg Madame an der spanisch/französischen Grenze nicht mehr verlasse. Es folgen viele kleine und kurvenreiche Straßen in Richtung Narbonne bis ich westlich von Prades (nicht ganz so gewollt) aus den Pyrenäen in das Roussillon einfahre. Hier habe ich noch mal einen überwältigenden Blick auf den Canigou der sich wolkenfrei in den blauen Himmel streckt. Das Roussillion zeigt sich mir von der besten Seite – die Sicht reicht bis Perpignon und dem Mittelmeer. Mit einigen Haken und Ösen in meiner Streckführung erreiche ich am frühen Abend das Hotel Ankena in Clermont Herault. Ein dicker Hamburger im Restaurant nebenan mit einem ¼ Wein runden den kurzweiligen aber langen Tourentag ab.

Unterkunft: Hôtel Akena Clermont l’Hérault

Tag 11   Clermount Herault – Welz (1113 km)

Ja was sollt man da noch sagen. Rauf auf die Autobahn, Stau in Narbonne und dann nur noch freie Fahrt mit zwei Mautstellen. Einzig zu erwähnen sind meine Probleme an den Mautstellen; Einmal ist das Ticket ungültig – vermutlich der Magnetstreifen mit dem Magnetschließer des Handy gelöscht und das Stück von Lyon bis ca. Nancy wird viel zu teuer berechnet. An dieser Mautstelle verliere ich eine ½ Stunde damit dem Helpdesk dazu zu bewegen mir den zu viel gezahlten Betrag wieder gutzuschreiben – hat aber geklappt. Nach 13 Stunden erreiche ich nach einem letzten günstigen Tankstop in Luxemburg, erstaunlich frisch, meine Heimat.

Ja das war sie – die Motorradtour 2016; erstmals alleine unterwegs. Nach anfänglicher Skepsis habe ich die Freiheit in allen Zügen genossen – und so alleine ist man nicht, wenn man alleine reist.